Die Stolte-Diele – ein fast vergessener Baustoff und die Geschichte einer Lichtenberger Fabrik

Die Stolte-Diele: Geschichte des Zementdielen-Baustoffs und der Stolte-Zementdielen GmbH in Berlin-Rummelsburg – vom Kaiserreich bis zur DDR.

stolte-dielezementdielenlichtenbergrummelsburgindustriegeschichtebaugeschichte

Von den Anfängen des industriellen Bauens im Kaiserreich bis zur Produktion in der DDR – eine Spurensuche an der Rummelsburger Bucht

Wer heute durch die Hauptstraße in Berlin-Rummelsburg geht, wird kaum noch erahnen, welche Bedeutung dieses Gebiet einst für die industrielle Entwicklung Berlins hatte. Wo sich inzwischen Wohngebäude, Gewerbebetriebe und moderne Neubauten befinden, standen früher zahlreiche Fabriken, Werkstätten und Produktionsanlagen. Sie prägten über Jahrzehnte das Leben und Arbeiten der Menschen in Lichtenberg.

Zu diesen Unternehmen gehörte auch die Stolte-Zementdielen GmbH, deren Name heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Dabei stellte das Unternehmen einen Baustoff her, der bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts als fortschrittliche Baukonstruktion galt und über viele Jahrzehnte im Bauwesen Verwendung fand: die sogenannte Stolte-Diele.

Für mich ist diese Firmengeschichte auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Als Lichtenberger bin ich in früheren Jahren häufig an dem Betrieb in der Hauptstraße vorbeigekommen. Nach meiner Erinnerung wurden dort noch zu DDR-Zeiten Stolte-Dielen gefertigt, möglicherweise sogar bis zur politischen Wende 1989/1990.

Diese Erinnerung war für mich Anlass, mich näher mit der Geschichte des Unternehmens und seines Baustoffes zu beschäftigen. Dabei zeigte sich, dass sich die technischen Anfänge relativ gut anhand historischer Fachliteratur nachvollziehen lassen, während die Entwicklung des Lichtenberger Betriebes nach 1945 noch zahlreiche Fragen aufwirft.

Mit diesem Beitrag möchte ich deshalb nicht nur an ein Stück Berliner Industriegeschichte erinnern, sondern zugleich dazu beitragen, bislang unbekannte Informationen über das Unternehmen zusammenzutragen.

Die Industrialisierung verändert das Bauwesen

Als Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer der größten Industriestädte Europas heranwuchs, veränderten sich auch die Anforderungen an das Bauwesen.

Überall entstanden neue Wohnhäuser, Fabriken, Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen. Die traditionellen Bauweisen konnten den wachsenden Anforderungen hinsichtlich Baugeschwindigkeit, Wirtschaftlichkeit und Brandschutz nicht immer gerecht werden.

Insbesondere die damals weitverbreiteten Holzbalkendecken stellten bei Bränden ein erhebliches Risiko dar. Deshalb beschäftigten sich Ingenieure und Baustoffhersteller zunehmend mit der Entwicklung feuersicherer Deckenkonstruktionen.

Neben gemauerten Kappendecken zwischen Stahlträgern entstanden neue Systeme aus Zement, Beton und Eisen. Ziel war es, Bauteile möglichst bereits in Fabriken herzustellen und auf der Baustelle nur noch montieren zu müssen.

Damit begann eine Entwicklung, die später für den industriellen Fertigteilbau von großer Bedeutung werden sollte.

Eines dieser frühen Systeme waren die Stolte-Dielen.

Paul Stolte und die Anfänge der Zementdielen

Die Ursprünge der Stolte-Dielen lassen sich bis in das ausgehende 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Bereits 1893 berichtete das renommierte Polytechnische Journal über feuersichere Baukonstruktionen, die von Paul Stolte aus Genthin zur Prüfung vorgestellt worden waren.

Bei den untersuchten Bauteilen handelte es sich damals um sogenannte Böklen’sche Patentcementdielen, die Paul Stolte für verschiedene Decken- und Wandkonstruktionen verwendete.

Die Elemente bestanden nach der zeitgenössischen Beschreibung aus Sand und Zement. Sie wurden bereits in der Fabrik hergestellt und besaßen auf ihrer Rückseite wabenartige Aussparungen.

Diese besondere Form hatte einen wichtigen konstruktiven und wirtschaftlichen Hintergrund: Durch die Aussparungen konnte Material eingespart und das Eigengewicht der Elemente verringert werden.

Die fertigen Bauteile wurden anschließend zur Baustelle transportiert und dort zu Decken- oder Wandkonstruktionen zusammengesetzt.

Damit entfiel ein erheblicher Teil der sonst üblichen Herstellung unmittelbar auf der Baustelle.

Besonders bemerkenswert sind die für die damalige Zeit dokumentierten Brandversuche.

Im Februar 1893 wurden unterschiedliche Baukonstruktionen unter realitätsnahen Bedingungen auf ihre Feuerbeständigkeit untersucht. Die von Paul Stolte vorgestellten Konstruktionen hielten dabei Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius stand.

Nach den Versuchen zeigten sich die geschützten Träger und Balken weitgehend unbeschädigt. Erst bei anschließenden hohen Belastungen kam es zum Versagen einer Deckenkonstruktion.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, welchen Stellenwert der Brandschutz bereits bei der frühen Entwicklung industriell vorgefertigter Bauelemente besaß.

Die Stolte’sche Stegcementdiele – eine technische Innovation

Eine Weiterentwicklung stellte die sogenannte Stolte’sche Stegcementdiele dar.

Im Polytechnischen Journal des Jahres 1902 findet sich eine ausführlichere Beschreibung dieses Systems unter Hinweis auf das Deutsche Reichspatent Nr. 71351.

Die Konstruktion bestand aus vorgefertigten Zementelementen, die zwischen stählernen Deckenträgern angeordnet wurden.

Charakteristisch waren die innerhalb der Elemente angeordneten Hohlräume, zwischen denen schmale Materialstege verblieben. Zusätzlich befanden sich Bandeiseneinlagen im Querschnitt, die der Aufnahme von Zugkräften dienten.

Die einzelnen Dielen griffen mit Nut-und-Feder-Verbindungen ineinander.

Dadurch entstand eine zusammenhängende Deckenfläche, die nach ihrer Verlegung mit weiteren Schichten versehen werden konnte.

Das Prinzip erscheint aus heutiger Sicht vergleichsweise einfach. Für die damalige Zeit war es jedoch ein bedeutender Fortschritt.

Anstatt eine massive Decke vollständig vor Ort herzustellen, konnten industriell vorgefertigte Elemente verwendet werden. Dies ermöglichte einen weitgehend standardisierten Bauablauf und reduzierte den erforderlichen Schalungsaufwand.

Auch für Wandkonstruktionen wurden Stolte-Dielen verwendet. Die historischen Veröffentlichungen zeigen beispielsweise, wie die Elemente in ein Gerippe aus eisernen Profilen eingeschoben werden konnten.

Die Stolte-Diele war somit nicht ausschließlich ein Deckenelement, sondern Bestandteil eines umfassenderen Systems vorgefertigter Bauteile.

Ein Baustoff zwischen Tradition und Moderne

Die Stolte-Diele entstand in einer Zeit, in der sich das Bauwesen grundlegend wandelte.

Während massive Ziegelwände und traditionelle Holzbalkendecken vielerorts noch den Wohnungsbau bestimmten, gewann die Verwendung von Eisen, Zement und Beton zunehmend an Bedeutung.

Dabei experimentierten Ingenieure mit unterschiedlichen Systemen, um tragfähige, wirtschaftliche und möglichst feuersichere Konstruktionen zu entwickeln.

Die Stolte-Dielen gehörten zu den frühen Lösungen dieser Entwicklung.

Ihre konstruktive Besonderheit bestand nicht allein im Material, sondern vor allem in der Verbindung mehrerer Prinzipien: industrielle Vorfertigung, materialsparende Querschnitte, Bewehrung durch Eisen und einfache Montage.

Damit lassen sich die Stolte-Dielen baugeschichtlich in die Entwicklung einordnen, die später zu modernen Betonfertigteildecken und industriell hergestellten Wandelementen führte.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich die verschiedenen Generationen von Stolte-Dielen hinsichtlich ihrer Herstellung, Abmessungen, Bewehrung und Tragfähigkeit unterscheiden konnten.

Eine Stolte-Diele aus der Zeit um 1900 muss deshalb keineswegs die gleichen konstruktiven Eigenschaften besitzen wie ein unter dieser Bezeichnung Jahrzehnte später hergestelltes Bauteil.

Die Stolte-Zementdielen GmbH in Berlin-Lichtenberg

Die weitere Geschichte führt uns nach Berlin-Rummelsburg.

An der Hauptstraße, unweit der Rummelsburger Bucht, entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert ein bedeutendes Industriegebiet.

Die Nähe zur Eisenbahn, zur Spree und zu den wachsenden Berliner Wohngebieten bot den ansässigen Unternehmen günstige Voraussetzungen.

Hier arbeiteten zeitweise zahlreiche Menschen in der Metallverarbeitung, chemischen Industrie, Baustoffherstellung und anderen Industriezweigen.

In diesem Umfeld befand sich auch die Stolte-Zementdielen GmbH.

Dass der Betrieb zur industriellen Geschichte Rummelsburgs gehörte, wird unter anderem durch eine Veröffentlichung zur Berliner Industriekultur bestätigt. Dort erscheint das Unternehmen ausdrücklich unter den bedeutenden historischen Industriestandorten entlang der Rummelsburger Bucht.

Interessant ist außerdem, dass zu dem ehemaligen Unternehmen sogenannte Stolte-Musterhäuser gehörten.

Diese Gebäude befanden sich an der Hauptstraße 1G–I. Sie veranschaulichen möglicherweise die Anwendung der vom Unternehmen angebotenen Baukonstruktionen und stellen damit eine Verbindung zwischen Baustoffproduktion und praktischer Bautätigkeit dar.

In einer städtebaulichen Untersuchung aus dem Jahr 2020 wurde sogar vorgeschlagen, diese Häuser als bauliche Zeugnisse der ehemaligen Stolte-Fabrik unter Denkmalschutz zu stellen.

Ob dieser Vorschlag umgesetzt wurde, bedarf noch einer Überprüfung.

Gerade solche erhaltenen Gebäude sind für die Industriegeschichte von besonderer Bedeutung. Sie erinnern daran, dass sich die technische Entwicklung des Bauwesens nicht nur in großen Architekturleistungen, sondern ebenso in Fabriken, Werkstätten und den von ihnen hergestellten Baustoffen widerspiegelt.

Ein dunkles Kapitel während des Nationalsozialismus

Zur Geschichte der Stolte-Zementdielen GmbH gehört auch die Zeit des Nationalsozialismus.

In der Lagerdatenbank des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit ist für das Unternehmen an der Hauptstraße 1–1b ein Lager für zivile Zwangsarbeiter dokumentiert.

Als Herkunftsländer der dort untergebrachten Männer werden Frankreich, Italien und Kroatien genannt.

Dies ist ein wichtiger und bedrückender Teil der Unternehmensgeschichte, der bei einer historischen Betrachtung nicht ausgeklammert werden darf.

Noch offen sind Fragen nach der Anzahl der betroffenen Menschen, ihren konkreten Arbeitsbedingungen und der Organisation des Lagers.

Eine weiterführende Untersuchung entsprechender Archivunterlagen könnte helfen, auch dieses Kapitel genauer aufzuarbeiten und die Schicksale der Betroffenen sichtbar zu machen.

Die Stolte-Diele nach 1945 – ein Baustoff in der DDR

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann für die Berliner Industrie eine Zeit tiefgreifender Veränderungen.

Betriebe waren beschädigt oder zerstört, Maschinen fehlten, Rohstoffe waren knapp, und die wirtschaftlichen sowie politischen Rahmenbedingungen wandelten sich grundlegend.

Gleichzeitig bestand ein enormer Bedarf an Baumaterialien.

Der Wiederaufbau zerstörter Gebäude und die Errichtung neuer Wohnungen verlangten wirtschaftliche und materialsparende Bauverfahren.

In der DDR entwickelte sich die Bauwirtschaft zunehmend in Richtung industrieller Fertigung. Besonders seit den 1950er- und 1960er-Jahren gewannen standardisierte Bauelemente und vorgefertigte Konstruktionen an Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund erscheint die weitere Verwendung von Zement- und Betondielen technisch durchaus nachvollziehbar.

Nach meiner persönlichen Erinnerung bestand die Produktion der Stolte-Dielen am Standort in Berlin-Rummelsburg noch über längere Zeit während der DDR.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Lichtenberger häufig an dem Betrieb vorbeigekommen bin. Nach meiner Erinnerung wurde dort noch bis in die letzten Jahre der DDR hinein gearbeitet.

Ob die Produktion tatsächlich bis 1989 oder 1990 aufrechterhalten wurde, konnte ich anhand der bisher zugänglichen Unterlagen allerdings noch nicht abschließend bestätigen.

Ebenso wenig konnte bislang geklärt werden, unter welcher genauen Betriebsbezeichnung das Werk zu DDR-Zeiten geführt wurde.

Denkbar wäre, dass der Betrieb zunächst privatwirtschaftlich weitergeführt und später in eine andere Eigentumsform überführt wurde. Auch eine organisatorische Eingliederung in einen größeren Baustoffbetrieb wäre denkbar.

Für keine dieser Möglichkeiten liegt mir bisher ein eindeutiger Nachweis vor.

Hier beginnt deshalb der bislang am wenigsten erforschte Abschnitt der Unternehmensgeschichte.

Von besonderem Interesse wäre außerdem, welche Arten von Stolte-Dielen während der DDR-Zeit tatsächlich produziert wurden.

Handelte es sich weiterhin um Stegcementdielen nach dem ursprünglichen Konstruktionsprinzip? Wurden neue Abmessungen und Querschnitte entwickelt? Gab es spezielle Produkte für den Wohnungsbau, für Industriebauten oder für landwirtschaftliche Gebäude?

Auch die verwendeten Maschinen und Produktionsverfahren wären interessant.

Wurden die Elemente in festen Formen gefertigt? Wie erfolgte die Verdichtung des Betons, wie wurden die Bewehrungen eingebracht und wie lange mussten die Bauteile aushärten, bevor sie ausgeliefert werden konnten?

Diese Fragen könnten möglicherweise ehemalige Beschäftigte des Betriebes beantworten.

Stolte-Dielen im heutigen Gebäudebestand

Auch aus heutiger Sicht verdienen die Stolte-Dielen Aufmerksamkeit.

In zahlreichen älteren Gebäuden sind historische Deckenkonstruktionen erhalten, deren genaue Bauart oftmals erst im Zuge von Sanierungsmaßnahmen sichtbar wird.

Als Bausachverständiger begegnet man bei der Untersuchung älterer Gebäude immer wieder Konstruktionen, die sich nicht ohne Weiteres den heute üblichen Deckensystemen zuordnen lassen.

Gerade bei älteren Beton- und Zementdielen können Fragen zur Tragfähigkeit, zur Bewehrung, zum Korrosionsschutz und zu nachträglichen Veränderungen entstehen.

Die ursprünglichen statischen Berechnungen oder Herstellerunterlagen sind häufig nicht mehr vorhanden.

Bei einer Begutachtung ist deshalb eine genaue Untersuchung des vorhandenen Bauteils erforderlich. Das betrifft insbesondere die tatsächlichen Auflagerbedingungen, die Spannweiten, den konstruktiven Querschnitt und die Art der Bewehrung.

Eine pauschale Beurteilung allein aufgrund der Bezeichnung „Stolte-Diele“ wäre nicht ausreichend.

Gerade deshalb wären historische Produktkataloge, technische Zeichnungen, Prüfzeugnisse und Montageanweisungen von großem Wert.

Sie könnten nicht nur zur Rekonstruktion der Unternehmensgeschichte beitragen, sondern auch bei der fachlichen Einordnung noch vorhandener Baukonstruktionen helfen.

Was geschah mit dem Betrieb nach der deutschen Wiedervereinigung?

Mit der politischen Wende von 1989 und der Wiedervereinigung im Oktober 1990 veränderten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Ostdeutschland innerhalb kurzer Zeit grundlegend.

Viele Industriebetriebe mussten ihre Produktion umstellen, wurden privatisiert oder stellten ihren Betrieb vollständig ein.

Auch die Geschichte der Stolte-Dielenfabrik dürfte in dieser Zeit einen entscheidenden Einschnitt erfahren haben.

Wann genau die Produktion eingestellt wurde, aus welchen Gründen dies geschah und was anschließend mit den Maschinen, Betriebsunterlagen und Beschäftigten passierte, ist bislang nicht geklärt.

Ebenso wäre interessant, ob die historischen Konstruktionsformen noch in anderen Betrieben weiterverwendet wurden oder ob die Stolte-Diele schließlich durch modernere Deckensysteme vollständig vom Markt verdrängt wurde.

Dies alles sind Fragen, die wir im Rahmen weiterer Nachforschungen beantworten möchten.

Aufruf an ehemalige Beschäftigte und Zeitzeugen

Wer erinnert sich noch an die Stolte-Zementdielenfabrik in der Hauptstraße in Berlin-Rummelsburg?

Mit diesem Beitrag möchte ich mich ausdrücklich an ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, frühere Anwohner, deren Familienangehörige sowie alle Menschen wenden, die Erinnerungen oder Unterlagen über den Betrieb besitzen.

Besonders interessieren uns die Jahre zwischen 1945 und 1990.

Vielleicht gibt es noch ehemalige Beschäftigte, die in der Produktion, im Lager, in der Verwaltung oder im Transportwesen tätig waren.

Möglicherweise besitzen Familien noch Fotos vom Werksgelände, alte Betriebsausweise, Arbeitsbücher, Lohnunterlagen, Produktkataloge oder andere Dokumente.

Auch Erinnerungen an die Arbeitsabläufe, die verwendeten Maschinen, den Transport der fertigen Dielen oder die letzten Jahre des Unternehmens wären wertvoll.

Insbesondere möchten wir folgende Fragen klären:

  • Wie lautete der offizielle Firmenname zu DDR-Zeiten?
  • Bis zu welchem Jahr wurden die Stolte-Dielen in Lichtenberg hergestellt?
  • Wie viele Menschen arbeiteten in dem Betrieb?
  • Welche Produkte wurden gefertigt, und wo kamen sie zum Einsatz?
  • Gab es eine eigene Entwicklungsabteilung oder technische Prüfstelle?
  • Wie veränderten sich die Produktionsverfahren im Laufe der Jahrzehnte?
  • Was geschah mit der Fabrik und ihren Beschäftigten nach 1990?
  • Existieren noch historische Aufnahmen, Pläne oder technische Unterlagen?

Selbst kleine Hinweise können helfen, die Geschichte des Unternehmens weiter aufzuklären.

Vielleicht erinnert sich jemand noch an den täglichen Betrieb, an das Geräusch der Maschinen, an die Verladung der fertigen Baustoffe oder an die Menschen, die dort arbeiteten.

Gerade solche persönlichen Erinnerungen sind ein wichtiger Bestandteil der Orts- und Industriegeschichte. Denn mit dem Verschwinden eines Betriebes gehen häufig nicht nur Arbeitsplätze und Gebäude verloren, sondern auch Erfahrungen und Kenntnisse, die nirgendwo schriftlich festgehalten wurden.

Ein Stück Lichtenberger Industriegeschichte bewahren

Die Geschichte der Stolte-Diele ist weit mehr als die Geschichte eines einzelnen Baustoffes.

Sie erzählt von der technischen Entwicklung des Bauwesens, vom Streben nach wirtschaftlichen und feuersicheren Konstruktionen und von der zunehmenden industriellen Herstellung von Bauelementen.

Gleichzeitig ist sie eng mit der Geschichte eines Lichtenberger Unternehmens verbunden, dessen Produktionsstätte über viele Jahrzehnte zum industriellen Erscheinungsbild der Hauptstraße in Rummelsburg gehörte.

Auch wenn heute vieles verschwunden ist, finden sich in den Bauwerken unserer Stadt noch zahlreiche Zeugnisse vergangener technischer Entwicklungen.

Als Bausachverständiger und an der Berliner Geschichte interessierter Lichtenberger möchte ich dazu beitragen, dieses Wissen zu bewahren.

Gerade die Firmengeschichte während der DDR-Zeit verdient es, genauer untersucht zu werden.

Vielleicht gelingt es mithilfe ehemaliger Beschäftigter und weiterer Zeitzeugen, die noch vorhandenen Erinnerungen zusammenzutragen und ein umfassenderes Bild dieses einstigen Lichtenberger Industriebetriebes zu zeichnen.

Über Hinweise, historische Fotografien, technische Unterlagen oder persönliche Erinnerungen zur Stolte-Zementdielenfabrik würde ich mich sehr freuen.

Wer etwas zur Geschichte des Unternehmens beitragen kann, ist herzlich eingeladen, über die Kontaktmöglichkeiten dieser Internetseite mit mir Verbindung aufzunehmen.

Jede Information kann helfen, ein weiteres Stück Lichtenberger Industriegeschichte vor dem Vergessen zu bewahren.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Polytechnisches Journal, Band 288 (1893), „Brandproben feuersicherer Bauconstructionen“, S. 271 ff. – Zeitgenössische Beschreibung der von Paul Stolte vorgestellten Baukonstruktionen und ihrer Brandversuche.
  • Polytechnisches Journal, Band 317 (1902), „Feuersichere Baukonstruktionen“, S. 207 und 221 – Beschreibung und Abbildungen der Stolte’schen Stegcementdielen für Decken und Wände.
  • Berliner Zentrum Industriekultur, „Industriekultur in Berlin – Rummelsburg“ – Historische Übersicht der Industrieanlagen entlang der Rummelsburger Bucht.
  • Die Planungsagentur, Dipl.-Ing. Carsten Joost, „Baumassenstudie Paul-und-Paula-Ufer“, Stand 3. Februar 2020 – Hinweise auf die Stolte-Musterhäuser an der Hauptstraße 1G–I.
  • Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Lagerdatenbank – Eintrag zur Stolte-Zementdielen GmbH, Hauptstraße 1–1b, Berlin.
  • Christine Steer / Museum Lichtenberg im Stadthaus (Hrsg.), Rummelsburg mit der Victoriastadt, be.bra Verlag – Enthält einen eigenen Abschnitt über Stolte-Zementdielen; die Inhalte dieses Abschnitts sind noch auszuwerten.

Anmerkung: Dieser Beitrag stellt den gegenwärtigen Stand meiner Recherchen dar. Insbesondere die Entwicklung des Unternehmens zwischen 1945 und 1990 ist noch nicht abschließend geklärt. Neue Erkenntnisse und Hinweise von Zeitzeugen werden nach entsprechender Überprüfung in die weitere Dokumentation einfließen.